Erfolgreich Online-Seminare geben: Konzeption & Setting für Online-Trainings

von | 28. Sep 2021

Nachdem wir darüber gesprochen haben, welche Vorteile Online-Trainings haben und welche Herausforderungen sie mit sich bringen, widmen wir uns dem, was es für ein gelungenes Online-Training braucht: ein gutes Konzept und das richtige Setting.

Konzeption von Online-Trainings

Als Trainer hast du wahrscheinlich schon viele Seminardesigns in deinen Schubladen liegen. Die gute Nachricht ist, viele Seminardesigns von Präsenztrainings kann man für Onlinetrainings mit wenigen Änderungen übernehmen. Denn die Grundprinzipien sind im Online-Raum dieselben.

Für die Konzeption bietet sich z.B. das 4-MAT an. Es besteht aus 4 Phasen: Warum?, Was?, Wie? und Wofür noch?. In der Warum-Phase wird Motivation aufgebaut und die Teilnehmer werden für das Thema begeistert. In der Was-Phase vermittelt man als Trainer wichtigen Input, Zahlen, Daten und Fakten. In der Wie-Phase geht es um die praktische Übung und Anwendung des Seminarthemas. Zum Abschluss wird in der Wofür noch-Phase der Transfer der Inhalte besprochen, z.B. auf den (Arbeits-)Alltag der Teilnehmer. Dieses Phasenmodell kann sowohl auf das gesamte Seminar, auf einzelne Tage und auch auf einzelne Themenblöcke angewendet werden. Im Online-Raum wird das Format um zwei weitere Phasen ergänzt, das Centering und die Hinführung.

Die Centering-Phase soll dafür sorgen, dass die Teilnehmer in einem konzentrierten, aufmerksamen und entspannten Zustand sind und im Training ankommen. Online ist diese Phase besonders wichtig, da die Teilnehmer oft direkt aus ihrem Alltag, ohne Anfahrt ins Training kommen. Gerade haben sie vielleicht noch die Arbeitsmails gecheckt, ihre Kinder versorgt oder mit dem Partner gestritten und jetzt sollen sie aufmerksam dem Training folgen und Inhalte aufnehmen. Ohne eine entsprechende Einstimmung fällt den Teilnehmern dies oft schwer. Das Centering dient also einer inneren Zentrierung, dafür bieten sich z.B. Meditationen, Fantasiereisen, der Austausch mit anderen Teilnehmern oder Einstiegsrunden („Wie bist du hier?“, Energieanwesenheit etc.) an.

Die Hinführungs-Phase soll ein erstes stressfreies, entspanntes Annähern an das Thema ermöglichen. Vorhandenes Wissen wird aktiviert, der Geist aufgewärmt, auf das Thema eingestimmt und das „Klettverschluss“-Lernen ermöglicht, indem Andockstationen geschaffen werden; so können nachfolgende Informationen besser aufgenommen und verknüpft werden. Auch online ist diese Phase wichtig, damit die Teilnehmer die Gelegenheit haben gedanklich beim Thema anzukommen und das Gelernte besser hängen bleibt. Für diese Phase können z.B. ABC-Listen, Skalenabfrage, 4-Ecken, Quizzes, Mindmaps etc. genutzt werden.

Anregungen für Methoden, die insbesondere in Online-Trainings geeignet sind, haben wir dir in einem weiteren Artikel zusammengestellt. Zu Beginn eines Online-Trainings bietet es sich außerdem an in kleinen Einstiegsübungen zum Kennenlernen und Warmwerden die Webinar-Methoden anzuwenden, die man auch später in den „richtigen“ Übungen nutzen wird (wie Chat, Whiteboard, Kommentieren/Zeichnen, Breakout-Räume etc.). Denn viele Teilnehmer kommen mit großem Respekt vor der Technik und es lohnt sich, ihnen die Angst zu nehmen und alles in Ruhe zu erklären. Dadurch haben die Teilnehmer die Chance in einer Übung, „bei der es noch um nichts geht“, Dinge auszuprobieren und zu experimentieren, ohne Angst etwas falsch zu machen. Auch ein Priming auf Interaktion und Mitarbeit ist direkt in den ersten Minuten hilfreich. Steigt man mit einem langen Vortrag ein, bei dem die Teilnehmer passiv sind, ist es im Online-Setting anschließend umso schwieriger, die Teilnehmer zu einer aktiven Mitarbeit zu bewegen. Das hängt nicht nur mit der Trägheit der Teilnehmer zusammen, sondern oft mit Ängsten davor plötzlich vor der ganzen Gruppe zu sprechen und der inneren Frage, ob das eigene Mikro überhaupt funktioniert. Diese Hürde ist für viele Teilnehmer online meist viel höher als vor Ort. Entweder hat man die Möglichkeit jeden Teilnehmer zu begrüßen und ihn zu Beginn schon einmal zu hören oder man bedient sich eines Tricks und lässt die Teilnehmer zuerst in Kleingruppen miteinander sprechen. Dort sammeln sie die Erfahrung, dass ihr Mikrofon funktioniert und sie verstanden werden und wie es ist sich im Online-Raum zu äußern. Alternativ kann man auch über niedrigschwellige Interaktionen, wie Kommentieren auf dem Whiteboard oder Schreiben im Chat zum Austausch hinführen. Anschließend fällt es den Teilnehmern viel leichter sich auch in der Gruppe zu Wort zu melden. Die gedanklichen und emotionalen Hürden der Teilnehmer sollte man in Online-Trainings als Trainer auf keinen Fall unterschätzen und durch ein gutes Konzept auffangen.

Für alle folgenden Phasen gilt dasselbe wie in Präsenztrainings. In der Motivationsphase werden die Bedeutsamkeit und der Sinn des Themas deutlich gemacht, damit die Teilnehmer verstehen, wofür sie am Training teilnehmen. Dies kann man z.B. durch Geschichten und Emotionen erreichen. In der Inputphase wird der eigentliche Inhalt vermittelt. Dabei sollte mit Methodenvielfalt, Interaktion und unterschiedlichen Medien gearbeitet werden. In Online-Trainings ist dies besonders wichtig, da die Aufmerksamkeitsspanne etwas kürzer ist und die Teilnehmer von vielen potentiellen Ablenkungen umgeben sind. In der Übungsphase sollen die Teilnehmer Erfahrungen sammeln und neue Fähigkeiten entwickeln. Diese kann oft genauso wie in Präsenztrainings durchgeführt werden. Viele Methoden und Übungen sind online genauso oder sehr ähnlich wie vor Ort möglich. Manchmal braucht es nur etwas Kreativität eine Präsenzübung in eine Online-Übung umzuwandeln. Die Transferphase dient der Erweiterung des Erlernten auf verschiedene Kontexte. Die Teilnehmer entdecken Anwendungsmöglichkeiten im eigenen Alltag. Außerdem kümmert sich der Trainer darum, dass in dieser Phase ein guter Abschluss gefunden wird, z.B. durch eine Feedback- und Abschlussrunde.

Technische Ausstattung für Online-Trainer

Wenn das Konzept steht, benötigt man als Trainer noch ein Setting, in dem man online gut unterrichten kann. Viele Online-Trainer schwärmen davon, dass sie ortsunabhängig arbeiten und von unterwegs Trainings geben können, allerdings ist das mit Vorsicht zu behandeln. Denn um als Trainer im Online-Raum professionell aufzutreten, ist das Setting sehr relevant. Und dafür bedarf es doch einiger technischer Ausstattungen und einem geeigneten Umfeld, das man nicht überall so einfach findet.

Setting fürs Online-Training

Als Trainer benötigt man:

  • Computer: Die Anforderungen an die Hardware variieren je nach Tools, Zoom bspw. verbraucht einiges an RAM und Prozessor. Empfehlenswert ist ein zweiter Bildschirm, da du während eines Online-Trainings oft mit verschiedenen Tools arbeitest oder parallel die Teilnehmer und deine Präsentation sehen möchtest.
  • stabiles Internet: Die Internetverbindung ist das A&O für ein Online-Training, da diese die Übertragung von Bild und Ton stark beeinflusst. Und auch ein Training mit Verbindungsabbrüchen macht keinen Spaß, zu empfehlen ist hier LAN vor WLAN (min. 3 Mbit/s im Upload und Download, testen z.B. unter https://www.speedmeter.de).
  • Mikrofon: In ein gutes Mikrofon zu investieren ist sinnvoll, da besonders in Online-Trainings viel über die Stimme transportiert wird, weil ein großer Teil der Körpersprache wegfällt. Die Stimme des Trainers ist das, was die Teilnehmer durch den ganzen Tag begleitet, wenn es dort rauscht, knistert, hallt oder es Rückkopplungen gibt, kann das für die Teilnehmer sehr anstrengend sein. Das integrierte Computermikrofon hat meist keine gute Qualität und nimmt Umgebungsgeräusche stark mit auf. Empfehlenswert ist ein externes Standmikrofon oder ein Ansteckmikrofon, z.B. Blue Yeti Nano als teure Variante. Lautsprecher und Mikrofon kann man vorab testen, z.B. über: https://www.vidyard.com/cam-test oder https://mictests.com (ein Ergebnis über 1000 Punkte ist sehr gut).
  • Kamera: Das Bild ist alles, was die Teilnehmer vom Trainer sehen. Achte hierbei also auch auf eine gute Qualität und eine passende Position der Kamera. Am besten eignet sich eine externe Webcam mit wenigstens 1080p, alternativ kann man auch ein Handy nutzen. Ein besonders großer Weitwinkel ist nicht notwendig, da es damit immer schwieriger wird, sich gut zu positionieren und einen passenden Hintergrund zu finden. Um Blickkontakt halten zu können, ist es meist sinnvoll, die Kamera vor dem Bildschirm zu positionieren (entweder mithilfe eines Stativs oder an einem biegsamen Arm von oben).
  • Licht: Leuchte dich gut und gleichmäßig aus, aber auch nicht zu hell, z.B. mit einer Ringleuchte oder zwei von vorne rechts und links auf dich strahlende Tageslichtlampen oder Softboxen. Vermeide starke Schattenbildung. Ringleuchten-Trick: Man kann sie auch „falschherum“ drehen und gegen die Wand leuchten lassen, dann haben Brillenträger nicht zu viel Spiegelung auf den Gläsern. Tageslicht ist grundsätzlich nicht geeignet, da es zu ungleichmäßig ist.
  • Outfit & Make-up: Dein Outfit kannst du handhaben wie im Präsenztraining auch, der Zielgruppe angepasst. Trage eher dunklere Kleidung, die nicht zu stark oder zu klein gemustert ist. Zeige nicht zu viel nackte Haut und vermeide Schals oder zu große Halstücher. Glänzende Stellen können gepudert werden (das gilt für Frauen und Männer). Bei Frauen wirkt oft etwas Lipgloss oder dezenter Lippenstift gut.

Für Trainer kommt also einiges an Technik zusammen, die passend positioniert werden muss. Die Teilnehmer haben es da etwas leichter. Sie benötigen:

  • Computer (Tablet oder Handy sind ungeeignet, da viele Tools dort nur eingeschränkt funktionieren)
  • stabiles Internet
  • Mikrofon (entweder integriertes oder Headset)
  • Kamera (integrierte oder externe Webcam)

Setting vor der Kamera

Über eine Webcam sehen die Teilnehmer den ganzen Tag nur einen kleinen Ausschnitt von dir. Umso wichtiger ist es, sich vor der Kamera gut in Szene zu setzen. Dazu einige Tipps:

  • Perspektive: Du solltest weder von unten, noch von oben in die Kamera schauen. Der Zuschauer sollte das Gefühl haben, dass du direkt auf Höhe der Kamera bist. Hier können auch schon ein paar Zentimeter einen Unterschied machen. Lasse dir hierfür so lange Feedback geben, bis dein Gegenüber das Gefühl hat, dein Kontakt ist auf Augenhöhe. Wirkt es, als ob man herunter schaust (meist sieht man dann ins Nasenloch) oder hinaufschaut oder ebenbürtig?
  • Headroom: Wähle einen guten Ausschnitt, sodass nicht zu viel Platz zwischen Kopf und oberem Bildschirm-Rand da ist. Tipp: Wenn man das Bild in 3 Teile teilt, sollten die Augen etwa auf Höhe der oberen Linie liegen.
  • Blickkontakt: Auch wenn es schwer fällt, sollte man sich während des gesamten Trainings bemühen in die Kamera zu schauen. Als kleine Hilfe kann man sich zwei Augen oder einen Smiley auf die Kamera kleben. Besonders an Stellen, die relevant sind oder wo du Emotionen transportieren möchtest, nutze ganz bewusst den Blickkontakt – auch wenn es sich nicht wie Blickkontakt anfühlt, weil du die Teilnehmer auf dem Bildschirm dann nicht mehr anschaust. Aber für die Teilnehmer macht es einen großen Unterschied. Tipp: Wenn einzelne Teilnehmer reden, kannst du dir in Zoom die Kacheln so anordnen, dass der Teilnehmer der gerade redet, nah bei deiner Kamera ist. So kannst du, gerade bei großen Bildschirmen, in die Kamera schauen und gleichzeitig den Teilnehmer im Blick behalten.
  • Körperhaltung: Sitzen kann schnell unvorteilhaft wirken (z.B. auf einer Couch), außer man sitzt wirklich gerade (z.B. auf einem Stuhl). Auch Stühle mit einer hohen Lehne sehen nicht immer vorteilhaft in der Kamera aus. Es bieten sich eher Stühle mit niedriger Lehne an oder ergonomische Hocker an. Alternativ kannst du natürlich auch stehen, das kann über einen ganzen Tag jedoch anstrengend werden, da man sich online wesentlich weniger bewegen kann, als im Seminarraum. Lass dir zur Wirkung deiner Körperhaltung am besten vorab Feedback geben.
  • Hintergrund: Den Hintergrund sollte man etwas „inszenieren“ aber so, dass es sich für dich authentisch anfühlt. Wähle einen möglichst neutralen Hintergrund (also keine zu persönlichen Gegenstände im Hintergrund oder Einblick in deine Wohnung). Ein zu unruhiger Hintergrund (auch Vorsicht bei virtuellen Hintergründen bei Zoom) lenkt die Aufmerksamkeit eher ab, ein einzelnes Highlight (z.B. eine große Pflanze) kann den Hintergrund aber auflockern. Nur was gezielt das Thema oder die Atmosphäre unterstützt, sollte für den Zuschauer sichtbar sein. Spiele hier auch etwas mit der Bildtiefe. Ein Hintergrund, der zu nah oder zu weit weg ist, ist meist nicht optimal. Und natürlich solltest du auch darauf achten, dass dir keine Pflanzen o.ä. aus dem Kopf wachsen.

Du siehst, als Online-Trainer bedarf es einiger Vorbereitung, um sich ins rechte Licht zu rücken. Meist sind auch mehrere Versuche notwendig bevor man das passende Setting für sich gefunden hat und weiß wie man Kamera, Mikrofon und Lampen am besten positioniert. Mit etwas Routine funktioniert der Aufbau deines Trainingsplatzes dann aber immer schneller.

Nachdem du jetzt bestens auf dein Online-Training vorbereitet bist, verraten wir dir im nächsten Artikel, welche Medien und Tools es gibt. Und wie man damit Abwechslung und Vielfalt in seine Trainings bringen kann.

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