Der radikale Konstruktivismus

Wie real ist unsere Realität?

(Diese Seite ist eine Lektion aus unserem 29-teiligen Kurs „NLP-per-Mail“)

Wie erschaffen wir uns die sogenannte Realität und was für eine Rolle spielt unsere Wahrnehmung dabei?

Um NLP zu begreifen, ist es sinnvoll uns darüber klar zu werden, dass NLP seine gedanklichen Wurzeln unter anderem im radikalen Konstruktivismus hat. Der radikale Konstruktivismus ist eine philosophische Erkenntnistheorie des 20. Jahrhunderts. Als Begründer des radikalen Konstruktivismus gelten Ernst von Glasersfeld und Heinz von Förster. Eine der zentralen Aussagen des radikalen Konstruktivismus ist, dass eine objektive Realität für uns nicht wahrnehmbar ist und wir uns basierend auf ihr, eine Innenwelt konstruieren.

Es ist vergeblich „erkennen zu wollen, was außerhalb der Erlebniswelt liegt“ (Glasersfeld 1992) und alles, was wir subjektiv als Realität empfinden, ist konstruiert. Selbst wenn es so etwas wie eine Realität „da draußen“ gäbe, so könnten wir sie doch nie „an sich“ wahrnehmen, da wir immer unsere Sinne dafür benutzen müssen. Und diese filtern und verändern die Realität bereits gravierend.

Wie sehr sich subjektive Realitäten unterscheiden, können wir nachempfinden, wenn wir uns überlegen, dass für Menschen mit einer Farbsehschwäche bestimmte Farben einfach nicht existieren oder blinde Menschen sich mit Hilfe von impulsartigen Geräuschen ein „Bild“ von der Welt machen können, das wiederum in seinem Detailreichtum für „normal“ sehende Menschen nicht vorstellbar ist (Klicksonar).

„Die Landkarte ist nicht das Gebiet.“

NLP-Grundannahme

Wenn wir uns überlegen, dass unser Gehirn in einem dunklen, nicht besonders großen Raum in warmer Flüssigkeit schwimmt, dann weiß es von der Realität erst einmal gar nichts. Um irgendetwas von da draußen mitzubekommen, braucht es unsere Sinne, also Kameras, Mikrofone, Drucksensoren, Wärmesensoren, Geruchs- und Geschmackssensoren sowie eine Art Wasserwaage. Das klingt jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber im Endeffekt sind unsere Sinne genau das: Sensoren in unserem Körper, die unser Gehirn mit Informationen aus dem Außen versorgen. Unser Gehirn konstruiert aus diesen Informationen eine halbwegs beständige Repräsentation der Sinneseindrücke und wir nennen diese dann Realität. Aber so, wie die Anzeige auf einem Thermometer nicht die Temperatur ist, so ist das, was uns unsere Sinne vermitteln, nicht die Realität. Unsere Sinneswahrnehmungen sind also Messgerätsanzeigen und nicht die Realität – an diesen Gedanken muss man sich meist erstmal gewöhnen.

Selbst wenn unsere Wahrnehmung der Realität entspräche, was sie ja nicht tut, so wäre sie stets nur ein Ausschnitt. Wenn wir uns darüber bewusst werden, dass wir nur einen winzigen Teil des riesigen, elektromagnetischen Spektrums mit unseren Augen wahrnehmen können. Oder welche Aufgabe unseren Ohren zukommt, die nichts anderes tun, als Informationen über Luftbewegungen an unser Gehirn zu senden, was daraus dann Geräusche konstruiert, während unsere Ohren alles oberhalb und unterhalb 20 Hz bis 20 kHz ignorieren. Dann wird deutlich, dass unsere Realität ein konstruierter Ausschnitt ist. Für Fledermäuse beginnt die Realität dort, wo sie für uns aufhört. All das gilt natürlich auch für unsere anderen Sinne. Wonach riecht eine Rose wirklich? Erst wenn die Geruchsmoleküle der Rose die Riechschleimhaut in unserer Nase erreicht und die Sinneszellen Informationen an unser Gehirn geschickt haben, wo diese verarbeitet und interpretiert werden, beginnt in unserer Welt eine Rose zu duften. Duft gibt es da draußen nicht, Duft wird im Gehirn erzeugt.

Wenn aber die Realität ein Konstrukt ist, dann wäre es doch schlau, wenn dieses Konstrukt für uns möglichst hilfreich ist! Um zu verstehen, wie wir auf dieses Konstrukt Einfluss nehmen können, schauen wir uns den Weg eines Reizes einmal genauer an.

 

Die drei Wahrnehmungsfilter

Auf dem Weg von der Außenwelt bis in unser Bewusstsein passiert ein Reiz drei verschiedene Wahrnehmungsfilter.
Der erste Filter ist der neurologische Filter, der die Filterung durch die Beschränkung unserer Wahrnehmungsorgane meint. Hier findet eine erste Informationsreduzierung und Individualisierung statt. Ich sehe eine Rose, so wie ich sie wahrnehmen kann, z.B. auch mit meiner leichten Hornhautverkrümmung oder einer eingeschränkten Farbwahrnehmung.
Der zweite Filter ist der soziale oder kulturelle Filter, der durch Sprache, Kultur, Gesellschaft, Moral etc. geprägt wurde. Hier findet eine Bewertung und Interpretation des Gesehenen statt. Die Rose ist also nicht nur irgendeine Pflanze, sondern steht für Liebe, Romantik, Zuneigung und so weiter oder ich ordne die Rose als Botaniker vielleicht einer bestimmten Sorte zu, die eine spezifische Pflege braucht.
Der dritte Filter ist der individuelle Filter, der durch die persönliche Geschichte geprägt wird. Meine Erfahrungen, Glaubenssätze und andere individuelle Prägungen beeinflussen, wie ich das Wahrgenommene bewerte. Die Rose kann mich z.B. an eine bestimmte Person oder Situation erinnern.

NLP gibt uns die Möglichkeit, unsere subjektive Realität umzugestalten und unser subjektives Erleben auf eine positive Art zu verändern, indem wir gezielt auf den zweiten und dritten Wahrnehmungsfilter einwirken. Wie das genau funktioniert, werden wir in den nächsten Lektionen besprechen.

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Übungen

1. Wenn du diese Woche eine unangenehme Emotion erlebst, tue folgendes: Unterscheide, was deine Wahrnehmung, was deine Interpretation der Wahrnehmung und was der emotionale Effekt, den diese Interpretation bei dir hat, ist. Welche anderen, alternativen Interpretationen könnte es geben? Für ein besseres Verständnis kannst du unseren Blogartikel über das ABC Modell von Albert Ellis lesen.

2. Begegne in dieser Woche den Menschen mit der Idee des Konstruktivismus. Sei dir bewusst, dass jeder Mensch seine eigene Welt konstruiert und dass keine Welt der anderen gleicht. Was für dich ganz eindeutig und klar ist, ist es für eine andere Person wahrscheinlich nicht

Videos

  • Dieses Video zeigt den sogenannten Hohlmaskeneffekt
    (2 Minuten – https://www.youtube.com/watch?v=sKa0eaKsdA0)
  • Hier werden eine Reihe von unterhaltsamen optischen Illusionen gezeigt
    (1,5 Minuten – https://www.youtube.com/watch?v=a1yHOFJydo)
  • Dieser Clip zeigt eine Neuauflage des Gorillaexperiments
    (1,5 Minuten – https://www.youtube.com/watch?v=IGQmdoK_ZfY)

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