Wie kannst du eine Überzeugung loslassen, die dich belastet? Wie kannst du Glaubenssätze durch den Einsatz von Sprachmustern auflösen? In diesem Artikel erfährst du, wie Glaubenssätze entstehen und wie du diese mithilfe der Sleight of Mouth Pattern nach Robert Dilts verändern kannst.

 „Ein Glaubenssatz ist eine Idee, die man für wahr hält!“ – Robert Dilts

Glaubenssätze sind Ideen, die Menschen für wahr halten. Menschen nehmen Wirklichkeit nicht direkt wahr. Sie erstellen Abbilder – vereinfachte Modelle. Interpretationen und Verallgemeinerungen aus früheren Erfahrungen sowie aus individuellen Theorien darüber, warum etwas so und nicht anders ist – oder sie sind einfach übernommen worden. Glaubenssätze sind eine Grundlage unseres Handelns und des Einsatzes unserer Fähigkeiten. Sie bestimmen, was wir denken und wahrnehmen bzw. was wir uns erlauben zu denken und wahrzunehmen und was wir für möglich halten.

Glaubenssätze sind oft Verallgemeinerungen subjektiver Erfahrung oder sie entziehen sich gar der eigenen Erfahrung und wurden übernommen (Gedankenviren). So wurde der Satz „Die Erde ist eine Scheibe!“ von den meisten Menschen, die ihn glaubten, nicht überprüft. Glaubenssätze basieren in der Regel nicht auf Logik, sie sind sogar außerordentlich tolerant gegenüber dem Versuch, sie logisch zu widerlegen. Jedes Gegenbeispiel wird zu einer Ausnahme, die sie problemlos vertragen.

„Die Ausnahme bestätigt die Regel!“ „Geld verdirbt den Charakter – Naja mein Freund Kurt, der Millionär, ist eine Ausnahme, aber …“ – und sie sind per Definition wahr: ‚Das ist eben so!‘.

Oft werden Glaubenssätze für so wahr gehalten, dass es schwer ist, sie als solche zu entdecken – „Es weiß doch jeder, dass …“.

Wenn wir etwas glauben, dann codieren wir es in einer bestimmten Art und Weise (Submodalitäten). Dazu haben wir unsere persönlichen Überzeugungsstrategien. Anhand dieser Codierung wissen wir später, was wir für wahr halten. Glaubenssätze halten wir für wahr, wenn sie in unserer Überzeugungsstrategie codiert sind. Wir codieren „wahr“, „nicht wahr“ und „egal“ unterschiedlich.

Glaubenssätze hinsichtlich deiner Möglichkeiten beinhalten oft Nominalisierungen (Freiheit, Geld, Arbeit, Das Leben…) und Modaloperatoren (dürfen, können, sollen, müssen…).

Nach Robert Dilts kann man alle Glaubenssätze auf eine der folgenden Arten zurückführen:

Logische Ebene 4:

  • Ursache: „Wenn…, dann…“, „Weil…“
  • Bedeutung: „X bedeutet Y“
  • Möglichkeiten/Grenzen: „Es ist nun mal so, dass …“, „Die Menschen/Das Leben …“
  • Zielerwartung: Ist es überhaupt möglich?
  • Selbstwirksamkeitserwartung: Kann ich es tun?

Logische Ebene 5:

  • Identität: Darf ich es tun?
  • Bin ich so einer?
  • Bin ich es wert?

Wie lernen wir Glaubenssätze?

Die meisten Glaubenssätze und Glaubenssysteme sind gut und funktional. Sie ermöglichen die Orientierung in der Welt, die Kommunikation mit anderen und die optimale Reaktion auf das, was in und um uns geschieht.

Glaubenssätze werden gelernt durch

  • Wiederholung

Wenn man immer wieder das Gleiche erlebt oder hört, leitet man daraus irgendwann eine Regel ab. Es entsteht dann eine Gewöhnung.

  • Autoritäten
  • Prägungen in Signifikanten Emotionalen Ereignissen (S.E.E.)

Sie werden außerdem gelernt durch das, was wir

  • gesehen (andere haben es gemacht)
  • gehört (andere haben es gesagt) oder
  • selber erlebt (es ist uns geschehen) haben. Oft ist es eine Kombination von mehreren Faktoren.

Mit dem Museum der Glaubenssätze, Visual Squash oder auch dem New Belief Generator beinhaltet NLP kraftvolle Formate zur Veränderung hinderlicher Überzeugungen und zum Etablieren neuer Glaubenssätze. Diese Formate sind Teil der Ausbildung zum NLP-Practitioner und Master.  Glaubenssätze kannst du außerdem mit den Sleight of Mouth Patterns von Robert Dilts lockern und verändern, um so einen Prozess des Umdenkens einzuleiten. Und genau auf diese Sprachmuster wollen wir uns in diesem Beitrag fokussieren.

Sleight of Mouth Pattern

Glaubenssätze sind sehr stabil gegenüber direktem Widerspruch („x stimmt nicht!“ – Antwort: „Doch!“) und werden stärker, je öfter sie verteidigt wurden.

Die Sleight of Mouth Sprachmuster arbeiten subtil und werden oft in Fragen eingebettet. Sie eignen sich insbesondere im Einsatz gegen semantische Fehlgeformtheiten, wie „wenn-dann“ (Ursache-Wirkung) und „…bedeutet…“ (Komplexe Äquivalenz) Glaubenssätze.

Sleight of Mouth Pattern erfordern einen stabilen Rapport, da sie ansonsten leicht als Provokation aufgefasst werden können.

Die 14 Sleight of Mouth Pattern wurden Anfang der 80er Jahre von Robert Dilts beschrieben. Sie sind das Ergebnis des Modellierens verbaler Strukturen von Platon, Sokrates, Jesus, Abraham Lincoln, Mohandas Gandhi, Clarence Darrow, Shakespeares Mark Anthony, Milton Erickson und Richard Bandler.

Dilts erkannte, dass diese Menschen bestimmte sehr effektive verbale Strukturen nutzten, um andere Menschen zu überzeugen und ihre Glaubenssätze und Glaubenssysteme zu beeinflussen. Der Begriff „Sleight of Mouth“ wurde von „Sleight of Hand“, was Fingerfertigkeit beim Kartenspiel bedeutet, abgeleitet.

Die 14 Sleight of Mouth Pattern von Dilts

Robert Dilts unterscheidet die folgenden 14 Sleight of Mouth Patterns:

  1. Intention (positive Absicht)
  2. Redefine (Umdefinition)
  3. Consequence (Konsequenz)
  4. Chunk Down (spezifizieren)
  5. Chunk Up (verallgemeinern)
  6. Counter Example (Gegenbeispiel)
  7. Analogie (Metapher)
  8. Apply to self (Selbstanwendung)
  9. Another Outcome (anderes Ziel)
  10. Hierarchy of Criteria (Kriterienhierarchie)
  11. Change Frame Size (anderer Kontext)
  12. Meta Frame (andere Wahrnehmungsposition)
  13. Model of the World (Modell der Welt)
  14. Reality Strategy (Realitätsstrategie)

Im Folgenden zeigen wir dir anhand eines Beispiels auf, wie diese angewandt werden.

Beispiel: „Für Geld muss man hart arbeiten.“

  1. Intention (Positive Absicht)

„Das heißt, du möchtest dich motivieren, Leistung zu erbringen und sicherstellen, dass du genügend Geld hast, aber vielleicht hält gerade dieser Glaubenssatz dich davon ab, einfache Lösungen zu finden.“

→ Hierbei wird die positive Absicht hinter dem Glaubenssatz gefunden. Danach arbeitet man mit der positiven Absicht weiter.

Grundannahme: Hinter jedem Verhalten steht eine positive Absicht.

  1. Redefine (Umdefinition)

„Für Geld kann man auch hart arbeiten.“

→ Mindestens ein Wort wird durch ein anderes ersetzt, das etwas Ähnliches bedeutet, wodurch der Satz(teil) eine andere Bedeutung erhält.

  1. Consequence (Konsequenz)

„Wer hart arbeitet, hat meist keine Zeit smart zu arbeiten und wird damit immer weiter hart arbeiten müssen.“

→ Der Glaubenssatz wird herausgefordert, indem die positive oder negative Konsequenz der Aussage oder die durch sie erfolgte Verallgemeinerung formuliert wird.

  1. Chunk Down (Spezifizierung)

„Was genau bedeutet (für dich) ‚hart arbeiten‘? Wie genau hängt hart arbeiten mit Geld verdienen zusammen?“

→ Spezifizierung. Was genau ist es? Die Verallgemeinerung durch den Glaubenssatz wird aufgelöst.

  1. Chunk Up (Verallgemeinerung)

„Woher weißt du, dass jeder der Geld hat, auch hart gearbeitet hat? Du meinst, alle Menschen, die Geld haben, zeigen damit, dass sie hart gearbeitet haben!“

→ Verallgemeinerung des Glaubenssatzes. Die Beziehung der Glaubenssatzteile wird aufgelöst.

  1. Analogie (Metapher, Chunk Sideways)

„Im Tai-Chi geht man davon aus, dass man nicht mit Kraft und Härte zum Ziel kommt, sondern mit Aufmerksamkeit und Leichtigkeit.“

→ Metaphern sind Geschichten, in denen die Beziehung zwischen den Elementen verändert wird, sodass die Beziehung neu wahrgenommen werden kann.

  1. Counter Example (Gegenbeispiel)

„Müssen alle Menschen hart arbeiten, um Geld zu verdienen? Kennst du jemanden, der schon mal leicht Geld verdient hat?  Hast du schon einmal irgendwann Geld bekommen ohne harte Arbeit?“

→ Zum Glaubenssatz wird ein Gegenbeispiel, eine Ausnahme der Regel formuliert.

  1. Apply to self (Selbstanwendung, Rückbezug)

„Einige Menschen, die etwas davon haben, haben sicher hart daran gearbeitet, diese Überzeugungen in der Welt zu verbreiten. Du musstest sicher hart daran arbeiten diesen Glaubenssatz, der definitiv ein Irrtum ist, bis heute mit dir herumzutragen.“

→ Es wird eine neue Aussage formuliert, bei der die im ursprünglichen Glaubenssatz genannten Kriterien auf den Glaubenssatz selbst angewendet werden. War die Aussage abwertend, wird der Glaubenssatz selbst abgewertet, war sie positiv, wird er positiv verstärkt.

  1. Outcome (anderes Ziel)

„Geht es wirklich darum, ob du hart arbeitest oder viel Geld hast, oder vielleicht eher darum, was für ein Leben du leben möchtest?“

→ Die Ausrichtung erfolgt auf ein anderes lohnenderes Ziel. Hier formuliert man ein relevantes Ziel oder eine andere lohnende Möglichkeit.

  1. Hierarchy of Criteria (Kriterienhierarchie – Werte)

„Geld mag wichtig sein, aber sind nicht andere Dinge wichtiger, wie Gesundheit oder mehr Zeit für die Menschen zu haben, die dir wichtig sind?“

→ Die Aussage wird auf einen höheren Wert hin verändert. Damit erhält der ursprüngliche Glaubenssatz eine geringere Bedeutung.

  1. Change Frame Size (Andere Rahmengröße, anderer Kontext)

„Harte Arbeit führt langfristig betrachtet manchmal zu mehr Geld und oft zu weniger Gesundheit. Wenn du am Ende deines Lebens stehst, wirst du dann zurückblicken und froh sein, dass du hart gearbeitet hast, um Geld zu erlangen? Und was würden deine Kinder, Frau und Freunde über dich sagen?“

→ Das Umfeld oder/und den Rahmen, in dem die Aussage steht, der Zeitrahmen, die Anzahl von Menschen oder die Perspektive werden verändert.

  1. Model of the World (Modell der Welt)

„Ist dir schon einmal aufgefallen, welchen hohen Wert die Deutschen/Preußen harter Arbeit und Disziplin zuschreiben? In anderen Kulturkreisen zählen andere Werte und die leben zum Teil wesentlich glücklicher als wir.“

→ Die Aussage wird aus Sicht eines anderen Weltmodells relativiert. Der ursprüngliche Glaubenssatz wird aus einem anderen Modell der Welt heraus neu interpretiert. Das bedeutet: Man findet ein Modell der Welt, in welchem die Beziehung zwischen den genannten Elementen (X und Y) anders gesehen wird.

  1. Meta Frame (Überzeugung über eine Überzeugung)

„Vielleicht glaubst du das nur, weil du bisher immer hart dafür arbeiten musstest und du noch nicht wusstest, wie du/man auch leicht zu Geld kommen kann. Vielleicht ist es nur eine Gewohnheit für Geld hart zu arbeiten und Gewohnheiten geben ja auch Sicherheit?“

→ Der ursprüngliche Glaubenssatz wird in einer neuen Aussage in einen Zusammenhang mit dem momentanen, persönlichen Prozess oder Erleben gebracht, es wird ein Glaubenssatz über den ursprünglichen Glaubenssatz aufgebaut.

  1. Reality Strategy (Realitätsstrategie)

„Wie kommst du zu dieser Annahme? Woher weißt du das? Was macht dich so sicher, dass man für Geld hart arbeiten muss? Kommt dieser Satz von jemandem, der ein schönes Leben gelebt hat?“

→ Die Herkunft des Glaubenssatzes wird hinterfragt und die Quelle angezweifelt.

In diesem Artikel haben wir dir die 14 Sleight of Mouth Patterns von Robert Dilts vorgestellt. Du hast an einem Beispiel gelernt, wie du durch den Einsatz von Sprachmustern deine Überzeugungen verändern kannst. Wenn du die 14 Sprachmuster in der Tiefe verstehen und üben möchtest, freuen wir uns, dich in einer unserer NLP-Ausbildungen begrüßen zu dürfen. Alle Informationen zu unseren Ausbildungen findest du unter: Ausbildungen & Seminare.

  • Welchen Glaubenssatz möchtest du verändern?
  • Nutze die oben vorgestellten Sprachmuster: Wie kannst du ihn mithilfe der Sleight of Mouth Pattern hinterfragen?

Wir freuen uns auf deine Beispiele in den Kommentaren.

Dein NEURES-Team